Danke, Wachstumsraum – zwei Wege gehen weiter
Dieser Blog-Beitrag ist anders als alle bisherigen. Er ist unser letzter hier im Wachstumsraum. Nach drei gemeinsamen Jahren haben wir uns entschieden, das Kapitel Wachstumsraum abzuschliessen und unsere Wege jeweils in eine eigene, fokussiertere Richtung weiterzugehen.
Kennengelernt haben wir uns im Erlebnispädagogik-Lehrgang (2021 – 2023) bei planoalto. Während dem Solo-Modul (zwei Nächte und Tage allein mit einer Frage) haben wir uns zufällig im Wald getroffen, die Regeln vom Alleinsein etwas gebogen und schnell Synergien für gemeinsame Angebote gefunden. Daraus ist dann der Wachstumsraum entstanden. Drei Jahre später blicken wir mit viel Dankbarkeit auf das Entstandene zurück – und spüren gleichzeitig, dass es für Zeit ist, die Ernte einzufahren und auf je eigene Spezialisierungen hin weiterzuwachsen. In diesem Beitrag nehmen wir dich mit: zuerst in einem Interview, in dem wir auf die gemeinsame Zeit zurückblicken, und anschliessend in je einem persönlichen Teil, in dem wir dir erzählen, wohin unser Weg von hier aus weiterführt.
Wie ist die Idee des Wachstumsraums entstanden, und was wolltet ihr damals in die Welt tragen?
Sandro: Am Anfang stand die Erkenntnis, dass es wertvoller ist, eine Idee zu zweit zu entwickeln als alleine – mit einem echten Gegenüber für Sparring und Austausch. Simone und ich hatten ähnliche Vorstellungen davon, was wir mit Erlebnispädagogik und Naturraum in die Welt tragen möchten. Und wir wollten das, was wir im Lehrgang bei planoalto gelernt hatten, nicht einfach versanden lassen, sondern ins Tun bringen. Aus diesen drei Strömungen ist der Wachstumsraum entstanden.
Simone: Sandro und ich sind uns im Solo-Modul begegnet und es zeigte sich mit Leichtigkeit: Wir sind zwei Menschen, die damals dasselbe spürten, nämlich dass Wachstum einen Raum braucht, nicht nur einen Plan. Dass Mann und Frau zusammen etwas tragen können, was allein nicht entstanden wäre. Das wollten wir in die Welt tragen. Nicht als Konzept, sondern als gelebte Haltung - tiefgründig und sinnhaft.
Woran erinnert ihr euch besonders aus der Anfangszeit – was hat euch damals getragen?
Simone: Die Verschiedenheit. Sandro bringt Ruhe, Präzision, einen feinen ästhetischen Blick. Ich bringe Energie, Geschwindigkeit, das Gespür für das Mögliche. Es gab viele Momente, in denen dieser Mix beflügelnd wirkte. Wir haben gemerkt: Zusammen wagen wir mehr, als wir es alleine täten.
Sandro: Getragen hat mich vor allem der gemeinsame Elan, verbunden mit einer guten Portion Zuversicht und Mut. Im Rückblick auch mit einer Prise Naivität – die Welt hatte nicht unbedingt auf uns gewartet, und es gibt in unserem Feld ohnehin schon viele sehr gute Angebote. Was mich in dieser Phase immer wieder erstaunt hat: wie viel leichter es ist, mit einem Kooperationspartner an einer Idee zu bauen als alleine. Zu zweit traut man sich an Dinge heran, an die man alleine so schnell nicht herangegangen wäre.
Welches Erlebnis oder welche Begegnung in euren Angeboten bleibt euch besonders präsent?
Sandro: Am stärksten geblieben sind mir die Tage draussen mit Schulklassen. Immer wieder dieser Moment zu Beginn, wenn das Postauto sie auf einem Kiesplatz ablädt – und aus den Gesichtern spricht erst mal vor allem gedämpfte «Kein-Bock»-Stimmung. Die kurze Wanderung über die Wiesen ins Tal hinein gibt dann Raum für Gespräche, und beim gemeinsamen Aufbau des Gruppencamps am Biwakplatz kommt der erste Höhepunkt: «Wir können etwas erreichen, wenn wir zusammen und gemeinsam arbeiten.» Und über die Zeit hinweg im Naturraum: wie sich die Stimmung mit dem Bachrauschen und dem Alpenklangteppich über Stunden langsam verschiebt – mehr Ruhe, weniger Tempo, mehr Hier-Sein. Für den Naturraum und was er mit Menschen macht, bin ich sehr dankbar und werde ihn auch weiterhin bewusst nutzen.
Simone: Der Moment, wenn jemand aufhört zu funktionieren und anfängt zu SEIN. Das passiert draussen - immer wieder - egal ob mit Jugendlichen oder Erwachsenen, ob in Gruppen oder alleine. Der Naturraum macht etwas mit Menschen, das kein Seminarraum kann. Die Stille setzt sich durch, der Boden trägt, die Sonne wärmt, der Wind bringt Leichtigkeit und das Wasser bringt etwas ins Fliessen. Und plötzlich schaut jemand auf und sagt nichts, aber im Gesicht steht alles: Ich erinnere mich. Ich weiss noch, wer ich bin. Das sind die Momente, für die ich diese Arbeit tue.
Was habt ihr durch die Arbeit im Wachstumsraum über euch selbst gelernt?
Simone: Dass meine persönliche Energie und mein zuverlässiger Motor in vielen Fällen ein Geschenk ist - und manchmal vielleicht auch eine Herausforderung für andere. Ich habe unter der Dusche, beim Velofahren oder beim Streunen durch den Wald häufig Ideen, die sich sofort umsetzen wollen. Sandro hat mich gelehrt, einen Moment innezuhalten. Nicht jede Blitzidee braucht sofort Flügel. Manchmal braucht sie erst ein Gespräch und etwas Zeit, um sich setzen zu können. Danke, Sandro!
Sandro: Zwei Dinge. Zum einen, wie viel es lohnt, an einer Idee dranzubleiben und sie über die Zeit zu formen – und wie privilegiert wir sind, dass wir uns dieses Ausprobieren überhaupt leisten können, während andernorts Menschen um ganz anderes kämpfen. Zum anderen habe ich viel darüber gelernt, was mir liegt und was nicht. Das dauernde Posten auf Social Media zum Beispiel gehört ganz klar in die zweite Kategorie – das ist für mich einfach anstrengend und fühlt sich nicht stimmig an. Die Zeit im Wachstumsraum hat mir geholfen, meinen Fokus zu schärfen und mich selbst besser kennenzulernen.
Was war das Schönste daran, zu zweit zu arbeiten – und wo seid ihr aneinander gewachsen?
Sandro: Am schönsten war Simones Drive und ihre Energie beim Entwickeln neuer Ideen – und dass sie nicht schon in der Vorphase vor möglichen Hindernissen zurückschreckt. Ich bringe von Haus aus eher den prüfenden Blick mit und schaue gerne zuerst, wo die Stolpersteine liegen könnten. Durch unsere Zusammenarbeit habe ich gelernt, dieser Vorsicht nicht immer zuerst das Wort zu erteilen, sondern mutiger zu werden. Ich nehme die Überzeugung mit, dass es für jede Frage eine Lösung gibt – man muss sie manchmal nur etwas länger suchen.
Simone: Etwas vom Schönsten war für mich, dass wir als Mann und Frau zusammengearbeitet haben. Wir haben unterschiedliche Energien und Qualitäten mitgebracht, und wir haben es geschafft, Vielfalt als Chance zu sehen, nicht als Bedrohung. Das erlebte ich als grosses Geschenk - manchmal waren wir dadurch vielleicht etwas mehr gefordert in der Kommunikation - doch auch das ist ein Wachstumsfeld. Wir sind immer wohlwollend geblieben und haben unsere gemeinsamen Werte, wie Tiefgründigkeit und Sinnhaftigkeit, in unserem gemeinsamen Wirken gelebt.
Was nehmt ihr aus dem Wachstumsraum mit in eure jeweils nächste Etappe – und was wünscht ihr dem/der anderen dabei?
Simone: Ich nehme mit, dass Verbindlichkeit entsteht, wenn zwei Menschen von innen heraus JA sagen zu einem gemeinsamen Wegstück, einem gemeinsamen Projekt. Dann wird persönliches Wachstum möglich. Sandro wünsche ich, dass er sich wagt, sich mit dem zu zeigen, was ihn wirklich ausmacht: Seine Feinfühligkeit, seine Ästhetik, seine künstlerische Qualität und seine vielfältigen Skills. Die Welt braucht Männer wie ihn, die beides leben: Präzision und Struktur, wie auch Achtsamkeit und Tiefe.
Sandro: Ich nehme viel mit: die Dankbarkeit für den gemeinsamen Austausch, fürs Zuhören, voneinander Lernen. Und dass ich durch unsere Zeit mein eigenes Profil schärfen konnte und heute klar weiss, wo ich hingehöre – und auch dort bin. Simone wünsche ich, dass ihre Angebote, die aktuell in der Pipeline sind, genau die Menschen erreichen, für die sie gemacht sind. Und dass sich auf ihrem Weg immer wieder jene Resonanz und innere Stimmigkeit einstellt, die eine Arbeit wirklich tragen.
Simone - Manchmal ist Wachstum das Eingeständnis, dass sich ein Kreis schliesst und ein Kapitel fertig ist.
Der Wachstumsraum hat uns drei Jahre lang getragen. Wir haben Menschen in Naturräume begleitet, Ideen gesponnen und weiterentwickelt, sind aneinander gewachsen. Wir haben gelernt, was wirklich zu uns gehört und was nicht.
Nun ist es an der Zeit, diesen gemeinsamen Raum zu schliessen – mit tiefer Dankbarkeit und im Frieden mit allem, was wachsen durfte.
Ich gehe weiter mit dem, was die Essenz von allem ist, was ich bisher getan habe. Ich nenne es «URzirkel». Dazu gehören bisher drei Angebotslinien: URboden – für angehende Eltern, URklarheit – für Lehrer:innen und Eltern, URfunken – für alle, die sich gerufen fühlen. Mit einer Vielfalt an Methoden, bei der Prozessarbeit und Erlebnislernen in Naturräumen im Zentrum bleiben, möchte ich weiterhin Menschen begleiten und stärken. Das Angebot ist für alle, die spüren, dass in ihnen mehr wartet, als bisher zum Vorschein gekommen ist.
Du findest mich ab jetzt unter www.simonewampfler.ch
Danke, dass für dein Da-Sein – hier in diesem Raum 😊
Sandro - Von Knospen zu neuen Wegen
Im letzten Blogbeitrag habe ich über Knospen geschrieben. Darüber, dass Veränderung selten mit einem Paukenschlag beginnt, sondern leise – wie ein inneres Ziehen, ein Gedanke, der sich immer wieder meldet. Ich habe nicht nur über Coachees geschrieben, sondern unbewusst wohl auch über mich selbst. Die Fragen, die ich da den Coachees in den Mund gelegt habe («Irgendwie passt das nicht mehr», «Ich weiss noch nicht wohin – aber so möchte ich nicht weiter»), waren in ähnlicher Form wohl auch meine eigenen. Und während ich diese Zeilen geschrieben habe, waren meine Knospen längst unbemerkt am Aufgehen.
Der Wachstumsraum war über Jahre ein spannender Ort für mich, und genau hier habe ich gespürt, dass ich meine Arbeit fokussieren möchte – auf das, was meine ganze Biografie zusammenführt. Vor dem Coaching/der Erlebnispädagogik und der Fotografie war ja noch ein anderes Leben: Promotion an der HSG und mehrere Jahre als Unternehmensberater bei AWK an der Schnittstelle zwischen Business und Informatik. Diese Welt hat mich ebenfalls geprägt und mir Wissen und Verständnis dort ermöglicht. Jetzt führe ich beides bewusst zusammen.
Ich gehe deshalb ab jetzt weiter mit Executive und Leadership Coaching – für Führungspersonen die einen Sparringspartner suchen, der ihre Sprache spricht und bereit ist, mit ihnen dorthin zu gehen, wo die klassischen Management-Tools nicht mehr reichen.
Eine Metapher begleitet mich bei meiner Arbeit seit meinem Fotografie-Studium: Wenn das Bild nicht stimmt, bringt es nichts, nur über Motiv und Kamera zu diskutieren. Es geht um den Menschen hinter der Kamera – um seine Prägung, seine Muster, seine Art wahrzunehmen. Genau dort setze ich an: meist draussen, in Naturräumen, die ich immer bewusst auswähle und in denen festgefahrene Muster anders sichtbar werden und Lösungen körperlich erfahrbar und spürbar sind. Was bleibt, ist also das Wesen meiner Arbeit – Natur als Resonanzraum, systemisches Denken, Handlungsorientierung und Erfahrung als Methode. Was sich verändert, ist der Fokus.
Mehr dazu auf www.sandrogeorgi.ch.
Und zuletzt: Danke. Danke, dass du diesen Weg mit uns ein Stück weit mitgegangen bist – durch Beiträge, Kurse, Gespräche oder einfach mit deiner Aufmerksamkeit hier. Und! Falls dich in den nächsten Wochen irgendwo selbst eine Knospe kitzelt: Hör einen Moment länger hin. Oft weiss sie schon ziemlich gut, wohin sie möchte – auch wenn sie noch ganz klein ist. Du weisst, wo du uns findest.
Sandro