Authentisches und konsistentes Handeln dank einem persönlichen Wertekompass

Kürzlich hatte Sandro eine spannende Coachinganfrage. Es ging um eine berufliche Neuorientierung und der Coachee möchte seine weiteren Entscheidungen sehr bewusst und mit viel Sorgfalt treffen können. Als Fundament für die weitere Arbeit an diesem Entscheid hat er für sich einen Wertekompass, ein System von Prinzipien und Überzeugungen, erstellt. Dieser Kompass dient ihm nun als moralischer Leitfaden für die Ausrichtung seines zukünftigen Handelns. Er stellt damit sicher, dass er authentisch, zielgerichtet und konsistent handeln wird. Im Dezemberblog zeige ich dir, wie ein Wertekompass aussieht und wie die Erstellung ablaufen kann.

Einem Coaching geht immer eine Auftragsklärung voraus, in der der/die Coachee und ich vor der ersten Zusammenarbeit ein kurzes Gespräch von 5 - 15 Minuten zur führen. Damit stelle ich sicher, dass ich das Anliegen/die Fragestellung der Coachees korrekt verstehe. Damit stelle ich sicher, dass wir auf das Ziel der Coachees hinarbeiten und ich kann bereits zu Beginn entscheiden, ob ich die richtige Ansprechperson für ihr Anliegen bin oder nicht. Sollte ich merken, dass ich in dem Fall nicht unterstützen kann, werde ich das Coaching begründet ablehnen.

Zum dann vereinbarten ersten Termin treffen sich mein Coachee und ich an einem zuvor vereinbarten Treffpunkt in einem schönen Schweizer Wald. Nach der Begrüssung lade ich den Coachee zu einem Spaziergang ein, auf dem er einen für sich passenden Ort für das Coaching sucht oder sich davon finden lässt. Die Bewegung in der Natur, die Gerüche und das Gefühl von draussen bringen eine Ruhe und Entschleunigung mit sich, die für den Coaching-Prozess jeweils vorteilhaft sind. Am gefundenen Ort angekommen gehen wir in einem ersten Schritt detailliert auf die Ziele des Coachees ein und wir klären, was er genau in der Zusammenarbeit mit mir erreichen möchte. In möchte von ihm auch wissen, was alles er schon unternommen hat um dieses Ziel zu erreichen und was funktioniert hat (kann man weiter nutzen) und was nicht funktioniert hat (das können wir gleich weglassen). Zudem bin neugierig, was sich in der Zeit zwischen der Auftragsklärung und dem ersten Termin allenfalls schon alles bewegt hat. Damit habe ich eine gute Übersicht, um aus meinem Coachingfundus die geeignetste Methode auszuwählen und schlage ich ihm in diesem Fall die Erstellung eines Wertekompass vor. Ich erkläre dem Coachee wie dieser aussieht und warum er für die Erreichung seiner Ziele nützlich sein wird.

Werte sind explizite oder implizite Vorstellungen, die für dich charakteristisch sind und damit dein Handeln beeinflussen. Tönt kompliziert, oder? Ist es aber gar nicht mal so. Eine solcher Wert könnte z.B. Ehrlichkeit sein und dass du dein Handeln immer danach ausrichtest, andere (und auch dich selbst!) nicht mit deinen Handlungen zu betrügen. Ein weiterer Wert könnte z.B. Selbstfürsorge sein. Das bedeutet dann, dass du für dich und deine Bedürfnisse schaust und einstehst und dein Handeln auch danach ausrichtest. Du vermeidest an deiner physischen wie auch psychischen Gesundheit Raubbau zu betreiben. Ein für mich sehr wichtiger Wert ist Empathie. Ich versuche mich, wenn immer möglich, in mein Gegenüber hineinzuversetzen und dessen Verhalten und Handeln Verständnis oder zumindest eine wertungsfreie Position entgegenzubringen.

Ein Wertekompass setzt sich in diesem Fall nun aus acht für den Coachee relevanten Werten zusammen, an denen er künftig sein Handeln explizit ausrichten will. Bei acht verschiedenen Werten ist es gut möglich, dass sich einzelne Werte gegenseitig unterstützen. Es ist aber auch möglich, dass ich Werte gegenüberstehen und konkurrenzieren. Dazu später aber noch mehr.  Oft sind die Werte, für die der/die Coachee entscheidet nicht neu für sie/ihn aber wurden in der Regel einfach noch nie explizit formuliert und konkret sichtbar gemacht. Durch das Offenlegen und auch Aufschreiben der Werte werden sie explizit benannt. Dies macht sie greifbar und sehr viel verbindlicher, als wenn sie einfach so als diffuse Worte im Hinterkopf oder Unterbewusstsein herumschaukeln.

Ich lade den Coachee ein, die Werte entweder mit Naturmaterialien (z.B. Zweige, Blumen, Blätter, Steine etc.) oder wahlweise auch auf grosse Post-Its aufgeschrieben in einem Oktagon auf dem Boden auszulegen. Ich frage bei den einzelnen Werten jeweils nach, was er damit genau meint und wie er sie versteht und lasse sie mir erläutern. Damit setzt sich der/die Coachee vertieft damit auseinander und hinterfragt und klärt für sich seine Werte sehr genau.

Sind die Werte im Oktagon ausgelegt, geht der Coachee sie nach einem vordefinierten Ablauf durch und stellt sie einander zur Seite respektive gegenüber. Werte können sich ergänzen oder auch konkurrieren. So kann z.B. der Wünsche nach Authentizität dem Wunsch nach viel Erfolg im Weg stehen. Es gilt dann zu klären, ob Erfolg um jeden Preis gewünscht ist und wieweit sich der Coachee bereit ist, sich dafür zu verbiegen und möglicherweise Dinge zu tun, die nicht mehr authentisch sind für ihn/sie. Es gilt dann abzuwägen, welcher Wert in dem Fall für den/die Coachee wichtiger ist und wie weit man bereit ist, dem einen anderen Wert unterzuordnen.

Die Erstellung eines Wertekompass bietet dir die Grundlage dein zukünftiges Handeln konsistent und zielgerichtet zu gestalten. Damit triffst du deine Entscheide deinen Überzeugungen gemäss und handelst kongruent. Hast du dir schon Gedanken dazu gemacht, welche Werte dein Leben bestimmen, ob es die richtigen sind und bist du dich deren auch vollständig bewusst?

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